Ku-Handel im Ka-Band oder wie Satelliteninternet richtig abkackt…

Kommunikation für alleWenn man wie ich auf dem Land wohnt, geht man manchmal ungewöhnliche Wege um an das Internet angeschlossen zu sein. Wenn per Kabel gar nichts geht weil die Ports alle belegt sind, kann man entweder warten bis nebenan einer stirbt oder man schaut sich nach Alternativen um.

Da gibt es z.B. div. Möglichkeiten per Mobilfunknetz online zu gehen die aber aufgrund von Volumenbeschränkungen nur eingeschränkt nutzbar sind.

Eine weitere Möglichkeit ist, via Satellit ins Netz zu kommen. Es gibt einige Anbieter die aber alle auf den Ka-Band Satelliten von Tooway (Eutelsat) aufsetzen. Alle Anbieter werben damit das man Europaweit ohne viel Aufwand ins Internet kommt wo sonst keine andere Möglichkeit besteht. Im Zweifel einfach den Spaten in den Garten stechen, Antenne dran, ausrichten, fertig.

Ich habe testweise ein Paket von Skydsl bestellt. Zum einen weil sie keine Vertragslaufzeit haben, zum Anderen weil sie die Hardware auch zur Miete bzw. auch Mietkauf anbieten.

Bekannt ist das die Latenzen sehr hoch sind und es üblicherweise Volumenrates gibt, aber speziell bei Skydsl aus Berlin wird eine “echte” Flatrate beworben.

Versprochen wird ein DSL ähnlicher Zugang mit den Werten von 20 MBit Downstream und 2 MBit Upstream (kein “bis zu…”) im Tarif L mit dem Datenvolumen “unbegrenzt” und mittlerweile ohne Vertragslaufzeit und Kündigungsfrist von 4 Wochen zum Monatsende. Zusätzlich wird ein Anschluss dieser Kapazität durch 50 Teilnehmer geteilt was im schlechtesten Fall 0,4 MBit Downstream bedeutet. Aber dafür ist es flächendeckend verfügbar und eine “echte” Flatrate.

Kostenmässig sind wir bei 59,90 für den Tarif L plus 9,90 im Monat für die Hardware. Anschlussgebühren mal beiseite gelassen ist das doch schon deutlich teurer als ein üblicher DSL Anschluss, aber gut, ich wollte es ja testen.

Nachdem nun fast ein Monat vergangen ist, will ich mal ein Resümee über das ziehen, was man für’s Geld geboten bekommt:

Nun, die Latenz ist erwartungsgemäß mit 600 bis 1200 ms ziemlich hoch was die Nutzungsmöglichkeiten einschränkt. Die erreichte Bandbreite dagegen ist flächendeckend im unteren Bereich. Mag sein das Nachts von 2-4 Uhr die beworbenen Bandbreiten erreicht werden. Jedoch erreicht man in der übrigen Zeit durchschnittlich 5% von 20 MBit was eher enttäuschend, aber nicht unerwartet ist. Es wäre ja theoretisch möglich, Nutzer verschiedener Zeitzonen zusammenzulegen um die üblichen “Primetimes” zu optimieren, jedoch wird dies anscheinend nicht um gesetzt.

Zwischen 18 Uhr und 00 Uhr war die Nutzung in dem hier aufgeführten Testzeitraum fast unmöglich,  zusätzlich zu den geringen Bandbreiten stieg die Latenz durchweg auf runde 1200 ms. Selbst oft aufgerufene Seiten von denen größere Teile im Cache vorhanden sind luden in Minuten. Anbei einmal ein aufgezeichnetes Nutzungsprofil. Fast durchweg war es nicht möglich z.B. ein Videotelefonat zu führen, einen SD Film von Maxdome oder Amazon Prime live zu laden (Downloaden im Voraus geht natürlich) oder ein MP3 von Google Play live anzuhören (Downloaden im Voraus ist natürlich auch hier möglich).

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Wie zu sehen ist, bekommt man durchschnittlich 0,28 MBit, im Höchstfall irgendwas zwischen 2 und 5 MBit kurzzeitig (Burst) geliefert was natürlich einen DSL Anschluss keinesfalls ersetzten kann, besonders wenn man mehrere Geräte im Haushalt angeschlossen hat.

Wenn man ein bisschen im Netz schaut bekommt man auch schnell mit, warum das so ist. Die Hauptkunden von Tooway sind offenbar Geschäftskunden die zwischen 7 und 19 Uhr bevorzugt beliefert werden. Ab 19 Uhr wird vermutlich die verfügbare Restbandbreite ins Folk “geworfen”.

Interessant ist hierbei das übliche DSL Speedtests im anderen Browsertab allesamt während der schnarchlangsamen Ladezeiten von z.B. www.heise.de eine Bandbreite von rund 16 MBit bescheinigen. Es werden offenbar die Daumenschrauben ganz schön angedreht was das Produkt unbrauchbar macht. Sicherlich, wenn man auf einer Almhütte Emails versenden, oder ein paar Smartphones mit WhatsApp versorgen will, dann kann man das evtl. brauchen, aber als DSL Ersatz für Bewohner auf dem Land ist ein solcher Anschluss eher ungeeignet. Man investiert besser in eine LTE Aussenantenne und kauft 2-3 mal Volumen nach. Die Kosten sind dabei ähnlich, aber man bekommt auch was dafür.

Nachtrag (03.03.2016):

Ich hab nochmal versucht die Leitung etwas intensiver zu nutzen da ich zur Zeit krank daheim bin. Leider war auch hier das Ergebnis ernüchternd:

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