Der Hype des digitalen Nomaden

Jurten am SeeIch lese recht gern den Blog basicthinking.de der ja ursprünglich mal von Robert Basic ins Leben gerufen worden ist und mittlerweile durch div. Verkäufe von einer Redaktion herausgegeben wird. Besonders gefallen mir die Reiseberichte der sogenannten digitalen Nomaden die ortsungebunden arbeiten und durch die Welt tingeln.

Interessant finde ich es zu lesen wie  Leute durch die Weltgeschichte reisen und dabei, mehr oder weniger, normal arbeiten und Steuern machen und Rechnungen schreiben, sich mit Papierkram herumschlagen etc. pp. . Heute in Rom, nächste Woche in Sizilien, übernächste Woche in Griechenland.

Leider hat sich in der letzten Zeit die Berichterstattung traurigerweise recht negativ verändert. Die Schreiber berichten weniger von ihren Reisen und ihrem Alltag, dafür umso mehr von Anleitungen wie man selbst digitaler Nomade werden kann, was man alles beachten muss und das man am besten gleich dazu noch das gerade fertiggestellte Buch kaufen soll.

Es wird offenbar mit aller Macht versucht, etwas Besonderes in kommerzielle Produktschubladen zu pressen und zu verkaufen was dem Thema einiges an Charme nimmt. Man bekommt den Eindruck, es handelt sich nur noch um Selbstverherrlichung um dem eigenen Dasein einen Sinn zu geben.

Dabei ist das “digitale Nomadentum”, zumindest wenn man aus der IT Welt kommt, seit Jahrzehnten bekannt und überhaupt nichts besonderes. Bereits in den 90’ern wurden Spezialisten für bestimmte Themen monatsweise für Projekte um die ganze Welt geschickt. Und es gab immer Lebenskünstler die das für sich auszunutzen wussten und bei der Projekteinteilung dafür sorgten, dass sie den Großteil des Jahres an den schönsten Orten der Welt verweilten.

IBM beschäftigt bis heute ganze Heere von IT Spezialisten die praktisch nur aus dem Koffer leben. Einige sind durchaus auch international unterwegs.

Allgemein geht der Trend eh dahin das man immer mehr von “zu Hause” arbeitet und von wo man sich letztendlich in die VPN einwählt ist schon lange irrelevant geworden. Die Menschen, die hauptsächlich am Computer arbeiten, erleben immer mehr den Umbruch dahin. Die Unternehmen erkennen das man die meisten IT Anwendungen eh aus der Cloud bezieht und gar nicht mehr in der Nähe des “Servers” sitzt.

Da muss man dann weniger Bürofläche bereit halten was kosten spart. Die Mitarbeiter sparen den Fahrtweg ins Büro usw. usw. . Letztlich eine Win-Win Situation wenn denn die rechtlichen Rahmenbedingungen eingehalten werden. Das geht so weit das sich erste Kollegen Häuser auf Mallorca kaufen anstatt im verregneten Berlin. Es ist schlicht irrelevant geworden ob man das monatliche Abstimmungsmeeting in München von Tegel oder Palma aus anfliegt.

Und wem das Haus ein Klotz am Bein ist, der nimmt sich halt monatsweise eine Ferienwohnung, da wo immer die Sonne scheint. All das ist auch digitales Nomadentum und bei weitem kein aktueller Hype, eher ein alter Hut.

Umso mehr finde ich es schade das das Thema derart ausgeschlachtet wird. Der Gentleman genießt und schweigt, hiess es doch immer. Monetarisierung ist nicht Alles im Leben.

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